Prüfungen

Mündliche Prüfung Technischer Fachwirt

Wie die mündliche Prüfung zum Technischen Fachwirt abläuft: Situationsaufgabe, Präsentation und Fachgespräch im Detail.

Die mündliche Prüfung zum Technischen Fachwirt ist der Teil, den viele Teilnehmer mit dem größten Respekt angehen. Anders als die schriftlichen Klausuren fordert sie nicht nur Wissen, sondern auch Auftreten, Struktur und das dialogische Element. Diese Seite erklärt den Ablauf und gibt konkrete Hinweise zur Vorbereitung.

Aufbau der mündlichen Prüfung

Die mündliche Prüfung besteht aus drei Bestandteilen, die in der Regel direkt aufeinanderfolgen.

Situationsaufgabe: Der Prüfling erhält eine beschriebene Ausgangssituation aus dem technisch-kaufmännischen Alltag und soll sie in einer kurzen Vorbereitungszeit strukturieren. Typische Themen: Kalkulation eines Angebots, Analyse eines Produktionsproblems, Umgang mit einer Reklamation, Entscheidung über eine Investition.

Präsentation: Der Prüfling präsentiert seine Lösung vor dem Ausschuss, typischerweise 10 bis 15 Minuten. Erlaubt sind Flipchart, Poster, Folien, je nach IHK auch eine kurze PowerPoint.

Fachgespräch: Nach der Präsentation folgt ein Gespräch mit dem Ausschuss, typischerweise 20 bis 30 Minuten. Die Prüfer stellen Fragen zur Präsentation und zu angrenzenden Themen.

Die gesamte Prüfung dauert meist 45 bis 60 Minuten, inklusive Vorbereitungszeit.

Die Situationsaufgabe im Detail

Die Situationsaufgabe ist meist ein mehrseitiger Text, der ein Unternehmen, einen Kontext und ein konkretes Problem beschreibt. Der Prüfling hat 15 bis 30 Minuten Zeit, sich in die Aufgabe einzuarbeiten und seine Präsentation vorzubereiten.

Typisches Vorgehen. Zuerst den Text zweimal lesen – einmal zum Überblick, einmal mit dem Bleistift. Wichtige Zahlen und Anforderungen markieren. Dann die zentrale Fragestellung herausarbeiten: Was soll der Prüfling eigentlich liefern? Ein Angebot? Eine Empfehlung? Einen Plan?

Anschließend eine Grobstruktur für die Präsentation skizzieren: Einleitung, Analyse, Lösungsvorschlag, Begründung, Fazit. Die Struktur ist das Gerüst, das die Präsentation trägt.

Die Präsentation

Die Präsentation folgt einem bewährten Muster. Einleitung mit kurzer Einordnung der Situation, dann die Analyse mit den wichtigsten Fakten, danach der Lösungsvorschlag mit klaren Begründungen, abschließend ein knappes Fazit. Die Dauer liegt bei 10 bis 15 Minuten – nicht kürzer, nicht viel länger.

Gute Präsentationen haben drei Eigenschaften. Sie sind strukturiert, mit klaren Übergängen zwischen den Abschnitten. Sie sind konkret, mit Zahlen und Beispielen statt Allgemeinplätzen. Sie sind visualisiert, mit einem Flipchart oder Poster, das den roten Faden zeigt.

Schlechte Präsentationen hingegen schwanken zwischen zu knapp („Ich würde das so machen – fertig") und zu ausschweifend („Erstmal zur Theorie…"). Der Mittelweg braucht Übung.

Das Fachgespräch

Nach der Präsentation wird der Prüfling vom Ausschuss befragt. Die Fragen gehen in zwei Richtungen.

Vertiefungsfragen zur Präsentation: „Warum haben Sie diese Kalkulation so angesetzt?" „Was wäre die Alternative gewesen?" „Wie würde sich Ihre Lösung ändern, wenn der Liefertermin zwei Wochen kürzer wäre?"

Breitenfragen zum Lehrstoff: Themen, die in der Situationsaufgabe nur angerissen sind, werden vertieft. Rechnungswesen, Qualitätsmanagement, Produktionsplanung, technische Grundlagen – je nach Aufgabe und Ausschuss.

Gute Antworten sind kurz, präzise und durch eine konkrete Begründung gestützt. Lange Antworten mit viel Füllstoff kommen schlechter an als kurze, klare Antworten.

Was die Prüfer bewerten

Der Ausschuss bewertet die mündliche Prüfung nach mehreren Kriterien.

Erstens: Fachliche Richtigkeit. Ist die Lösung sachlich korrekt? Sind die Rechnungen und Begründungen nachvollziehbar?

Zweitens: Struktur und Nachvollziehbarkeit. Ist die Präsentation logisch aufgebaut? Kann der Prüfling seinen Gedankengang erklären?

Drittens: Fachbegriffe und Fachsprache. Werden die richtigen Begriffe richtig verwendet?

Viertens: Souveränität und Dialogfähigkeit. Kann der Prüfling auf Rückfragen eingehen, ohne die Fassung zu verlieren? Zeigt er echte Bereitschaft zum Gespräch?

Fünftens: Gesamteindruck. Wirkt der Prüfling kompetent, ruhig, glaubwürdig? Das ist weniger justiziabel als andere Kriterien, aber es spielt eine Rolle.

Vorbereitung auf die mündliche Prüfung

Drei Vorbereitungsbausteine haben sich bewährt.

Alte Situationsaufgaben üben: Bildungsträger und IHKs haben Sammlungen alter oder typischer Aufgaben. Regelmäßiges Üben baut Sicherheit auf.

In der Lerngruppe präsentieren: Wer vor anderen geübt hat, auch nur vor zwei oder drei Kollegen, ist vor dem echten Ausschuss deutlich ruhiger. Die Rückmeldungen der Kollegen sind oft das beste Training.

Fachbegriffe bewusst trainieren: Wer seine Begriffe sauber verwenden will, sollte sie im Alltag üben. Mitten im Kollegengespräch die Fachsprache aktivieren, zu Hause Dinge technisch korrekt benennen.

Typische Fallstricke

Drei Fehler, die in der mündlichen Prüfung häufig passieren.

Zu wenig Vorbereitung auf das Dialogformat: Wer nur den Stoff lernt, aber nie geübt hat, seine Gedanken mündlich zu strukturieren, hat es schwer. Die Form ist so wichtig wie der Inhalt.

Zu starre Präsentation: Wer die Präsentation auswendig gelernt hat, wirkt unbeweglich und kann auf Zwischenfragen schlecht reagieren. Lieber die Struktur auswendig, die Worte frei.

Verteidigungshaltung bei Rückfragen: Rückfragen sind keine Angriffe. Wer sie als Chance zur Vertiefung versteht, antwortet entspannter und überzeugender.

Umgang mit Unsicherheit

In jeder mündlichen Prüfung gibt es Momente der Unsicherheit. Drei Strategien helfen.

Erstens: Kurze Denkpausen sind erlaubt. „Einen Moment, ich sortiere meine Gedanken" wirkt professionell, nicht unsicher.

Zweitens: Wenn eine Frage zu schwer ist, ehrlich sein. „Das ist nicht meine Stärke, aber ich würde folgendes probieren…" ist besser als ein wildes Rumreden.

Drittens: Nach einer schwachen Antwort weitermachen, nicht hängenbleiben. Der Ausschuss bewertet das Gesamtbild, nicht einzelne Momente.

Häufige Fragen

Wie viele Prüfer sind im Ausschuss?

Typischerweise drei: ein Arbeitgebervertreter, ein Arbeitnehmervertreter, eine Lehrkraft.

Darf ich Hilfsmittel mitbringen?

In der Vorbereitungsphase ja, in der Präsentation meist nur eigene Notizen. Die Regeln variieren leicht.

Wie viele Themen wähle ich selbst?

Kein Thema – die Situationsaufgabe wird vom Ausschuss vorgegeben.

Kann ich die mündliche Prüfung wiederholen?

Ja, wie die schriftliche Prüfung, meist zweimal innerhalb von fünf Jahren.

Nächster Schritt

Wie das Fachgespräch in der mündlichen Prüfung im Detail abläuft und wie man sich gezielt darauf vorbereitet, zeigt die Seite Fachgespräch Technischer Fachwirt.